Corona-Informations-System

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein herausforderndes Jahr neigt sich dem Ende zu. Im gemeinsamen Bemühen, für die Betreuung der uns anvertrauten Patienten das Beste zu geben, ist uns trotz der großen Belastung durch SARS-CoV2 Hervorragendes gelungen. Behördlich angeordnete Einschränkungen, der Verzicht auf soziale Kontakte, wichtige Begegnungen und auf vieles, was für uns bisher „ganz normal“ war, hatte ohne Zweifel Auswirkungen auf unser physisches wie psychisches Wohlbefinden. 

Ich möchte mir erlauben, anhand einer kurzen Reflexion zum Jahreswechsel aufzuzeigen, welch hervorragende Leistung unsere Abteilung als „zentraler Dienstleister“ dieses Klinikums 2020 erbracht hat. Es ist mir wichtig, Ihnen an dieser Stelle damit für all diese Arbeit Danke zu sagen.

Mit März wurden massive Änderungen in der Betriebsorganisation notwendig – der eingesetzte Krisenstab musste Einschränkungen des OP-Betriebs, eine Ausweitung der Pflegekapazität an den Normal-stationen sowie eine Erweiterung der anästhesiologischen Intensiv-kapazität um 40% anordnen. Für die Abteilung wurde durch die Leitenden Mitarbeiter ein tragfähiges Konzept erstellt und eine dritte Intensivbehandlungseinrichtung in einem OP-Bereich eingerichtet – ermöglicht durch den hervorragenden Einsatz der Anästhesiepflege mit Unterstützung engagierter Intensivpflegekräfte. 

Der erwartete Ansturm blieb Gott sei Dank aus – dennoch konnten wir in dieser Phase, die verständlicher Weise auch von großen persönlichen Sorgen geprägt war, vieles lernen und mitnehmen. Dies kam uns dann auch in der zweiten Welle sehr zugute: hier zeigte sich die hohe Professionalität, die aus den Erfahrungen der „ersten Welle“ ebenso resultierte, wie auch aus der Behandlung von Coronapatienten an der Intensivstation 1 und 2 während der Sommer- und Herbstmonate.

Parallel dazu wurde jetzt versucht, trotz Betriebseinschränkungen ein Maximum an operativer Leistung zu ermöglichen: die Gesamtzahl von 10.635 Anästhesieverfahren in 2020 bestätigt die bravouröse Leistungsfähigkeit der Abteilung.

Diese Zahlen bedeuten eine Reduktion von nur 18 % im Vergleich zum Vorjahr!

Ich darf an dieser Stelle dem gesamten Team meine Hochachtung und Gratulation zu dieser Leistung aussprechen – hier hat jeder und jede Einzelne Anteil!

Auch im Bereich der präoperativen Patientenmanagements war das Team 2020 gefordert wie selten zuvor: neben der Übersiedelung der Anästhesieambulanz war die Einrichtung der Terminambulanz eine große Herausforderung. Letzteres war ebenfalls dem Virus geschuldet, um Patientenkontakte vor der Ambulanz möglichst zu reduzieren. Mit einigen Adaptierungen, und unter großem Einsatz von OÄ Dr. Martha Bednarik konnte auch unter den neuen Gegebenheiten eine hervorragende präoperative Evaluierung unserer Patienten sichergestellt werden.

Das erweiterte MedAdmin Team hat hier ebenfalls gute Arbeit geleistet. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass trotz der operativen Einschränkungen wieder über 10.000 Patientenkontakte in der Ambulanz bewältigt wurden.

In der Intensivmedizin war entgegen aller Erwartungen bis dato (noch?) kein „Tsunami“ zu bewältigen, sondern weitgehend das übliche Patientenkollektiv zu versorgen – was für unsere vielen (Neuro-)Trauma-, neurologischen wie onkologischen Patienten von immenser Bedeutung war. Dabei war die Zahl der Patienten im Vergleich zu den Vorjahren etwas rückläufig – der Behandlungs- und Betreuungs-aufwand hingegen nicht. 

Trotz konstant angespannter Personalsituation im Pflegebereich ist es dank des Einsatzes aller MitarbeiterInnen gelungen, nicht nur die bereits angesprochene Erweiterung der Intensivkapazität zu bewältigen, sondern auch die gewohnten Behandlungsqualität in allen Bereichen aufrecht zu halten. Wir dürfen auf die Ergebnisse des Benchmarkings aus Ic-Doc gespannt sein. 

Die Notfallmedizin war durch COVID-19 besonders gefordert. Einsatztätig-keit in voller persönlicher Schutzausrüstung, social distancing an den Stützpunkten, meist nur vage Angaben zur Einsatzindikation bzw. –situation durch die Leitstelle machten die notärztliche Tätigkeit noch anstrengender als sonst. Waren die Einsatzzahlen während des ersten Lock-downs v.a. in der Luftrettung deutlich reduziert, glich sich das übers Jahr wieder weitgehend aus. Besonders erfreulich, dass es trotz der sehr angespannten Personalsituation am NEF (z.T. < 3 Vollzeit-Äquivalente) keine Ausfälle in der Dienstbesetzung gab – besonderer Dank gilt hier v.a. den Assistenzärzten, die sich mit Begeisterung in den notärztlichen Dienst einbrachten, und wie so oft meiner Ersten Oberärztin Dr. Andrea Wodak, die mit extremem Bemühen allmonatlich einen Dienstplan „zaubert“, der nicht nur dienstliche Notwendigkeiten, sondern auch individuelle Wünsche berücksichtigt!

Mein besonderer Dank gilt jenen Pflegenden und ÄrztInnen der Abteilung, die trotz COVID-19 um das Weiterführen der Schulungen und Kurse in unserem Haus bemüht waren. Die Adaptierung des BLS-Trainings auf die speziellen Umstände der COVID-Situation hat den professionellen Ersthelfern im Hause Sicherheit gegeben. Unsere Notfall-Basisausbildung junger Kolleginnen und Kollegen aus ganz Niederösterreich wurde trotz Krise ebenfalls sehr erfolgreich durchgeführt: wie immer mit ausgezeichnetem Feedback der TeilnehmerInnen! Und auch dem Simulationstraining hat SARS-CoV2 „seinen Stempel aufgedrückt“: zum einen mussten im 2.Quartal viele Trainingseinheiten abgesagt werden, zum anderen wurde das Trainingskonzept natürlich auf die besonderen Bedingungen, unter denen wir jetzt alle arbeiten müssen, ausgerichtet. Erfreulich, dass trotz dieser Restriktionen auch 2020 wieder mehr als 360 Teilnehmer bei den Trainingsveranstaltungen begrüßt werden konnten – sei es am Simulationszentrum oder bei einem der In-house Trainings in Krems oder Wiener Neustadt.

Ganz traditionell hätten wir wohl in der Woche vor Weihnachten unsere alljährliche Weihnachtsfeier gehabt, zu der ich wieder gerne eingeladen hätte. Auch dies ist leider dem Coronavirus zum Opfer gefallen, so möchte ich mich auf diesem Wege bei jeder Ärztin und jedem Arzt, allen Pflegepersonen, den Mitarbeitern aus der medizinischen Administration, sowie all jenen bedanken, die uns täglich im Bemühen um optimale Betreuung unserer Patientinnen und Patienten unterstützen. Ich bin froh und dankbar, mit Ihnen arbeiten zu dürfen.

Auch im neuen Jahr wird uns Corona fest im Griff haben – dennoch ist nun mit der Zulassung der ersten Impfstoffe etwas Licht am Horizont. Halten Sie bitte weiter durch – und mögen die Zahlen jener Kolleginnen und Kollegen, die sich infiziert haben, weiterhin so niedrig sein wie bisher. All jenen in unserem Team, die dennoch einen schwereren Erkrankungsverlauf hinnehmen mussten, gute Besserung – wir freuen uns auf Ihre Rückkehr.

Nun wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein schönes Weihnachtsfest sowie alles Gute, Gesundheit, aber auch viel Freude und Erfolg bei Ihrer Tätigkeit in 2021 – einem Jahr, dass uns hoffentlich etwas weniger fordern wird als das Vergangene.

H.Trimmel