Corona-Informations-System

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der globale „Lock-Down“ ist mittlerweile weitgehend vorbei – und hat wohl substantiell zur Beherrschung der Krisensituation in Österreich beigetragen. Im Bereich der Kliniken konnte damit eine Überlastung von Strukturen und Personal vermieden werden – wenn auch um den Preis eines „Versorgungsaufstaus“, insbesondere in den operativen Disziplinen. Leider gab es auch Verzögerungen in Diagnostik bzw. Behandlungsverlauf, die für manchen Patienten negative Folgen zeitigten…

Die mittlerweile eingetretene „Normalisierung“ des Klinikbetriebs hat uns weitgehend den gewohnten Alltag zurückgebracht, und einige zum Teil noch nicht wirklich rund laufende Veränderungen (z.B. Terminambulanz). Die aufgehobenen Einschränkungen hinsichtlich des Zusammenkommens einer größeren Zahl von Menschen – auch unter Verzicht auf das Tragen von Schutzmasken – dürfen uns aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass das Virus nach wie vor präsent ist, wie wir auch an der aktuellen Entwicklung in unserem Hause sehen. Das Tragen von Masken hat sich gemeinsam mit dem Einhalten des Mindestabstands und einer intensiven Händehygiene als durchaus sinnvolle Maßnahme erwiesen – und sollte, nicht nur im Gesundheitsbereich, weiter gepflogen werden. Damit, und mit lokal begrenzten Einschränkungen des Kultur- und Wirtschaftslebens – wird es hoffentlich gelingen, eine größere Ausbreitung mit massiver Belastung der Gesundheitseinrichtungen hintanzuhalten.

Denn aktuell ist weder eine wirksame Impfung, noch die viel strapazierte „Herdenimmunität“ in Sicht – letztere wird sich wohl auch nicht erreichen lassen, ohne eine massive Erkrankungswelle mit all ihren negativen Auswirkungen (auch auf die Wirtschaft) zu provozieren.

In der Therapie von COVID-19 gibt es ebenfalls noch keinen Durchbruch zu vermelden – zwar hat man inzwischen viel über unterschiedliche Verlaufsformen der Erkrankung und die jeweils notwendigen Beatmungsstrategien gelernt, die Problematik der Gerinnungsstörung verstanden sowie die mit der Erkrankung assoziierten Schädigungen von Herz, Gehirn, Leber und Niere analysiert. Aktuelle Empfehlungen, auch seitens unserer Fachgesellschaft, wie auch die eben publizierten S1-Leitlinien stellen im Wesentlichen auf einen symptomatischen Therapieansatz ab. Da und dort aufflackernde Hoffnungen auf neue medikamentöse Strategien (wie zuletzt bei Dexamethason) haben bis jetzt jedenfalls keinen Durchbruch gebracht.

Besonders wichtig ist mir persönlich der Schutz des Personals: ich appelliere daher an dieser Stelle, weiterhin alle diesbezüglichen Maßnahmen genau zu befolgen, insbesondere das An- und Ablegen der Schutzkleidung (im 4-Augen-Prinzip) bei der Betreuung von an COVID-19 Erkrankten bzw. von Patienten mit unklarem Infektionsstatus. Unsere eigenen Vorbereitungen in der Intensivmedizin beruhen auf internationalen Empfehlungen wie auch auf unseren während der Lock-Down Phase gemachten Erfahrungen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns neuen Herausforderungen gegebenenfalls in adäquater Weise werden stellen können.

Regelmäßige – und idealerweise – flächendeckende PCR-Testungen von Patienten der Kliniken, aber auch des Personals werden uns sicherlich noch lange Zeit begleiten, um punktuell auftretende Cluster rasch zu erkennen und nicht zu einer flächenhaften Ausbreitung werden zu lassen.

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen Mitarbeitern unserer Abteilung für Ihre Wachsamkeit und Sorgfalt bedanken, die dem Haus auch in schwierigen Phasen einen effizienten Klinikbetrieb ermöglicht. Wir werden weiterhin unsere für die Krise eingerichteten Instrumente (Website und WhatsApp Gruppe) wie auch das interne Mailing nutzen, um Information rasch verfügbar zu machen.

Bleiben wir gemeinsam wachsam, informiert – und gesund.

H. Trimmel