Corona-Informations-System

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die aktuelle „3.Welle“ hält die Intensivmedizin in Atem: über 430 Patienten an den Intensivstationen in Österreich, mehr als je zuvor … und die Zahlen steigen weiter. Die Patienten werden offenbar schneller krank, sind jünger, und benötigen die Betreuung durch die Intensivmedizin vielleicht länger als zuvor. Daher wird es aktuell, speziell in Ostösterreich, auch keine Erleichterungen im öffentlichen Leben geben können.

Trotz einer bereits erreichten hohen Durchimpfungsrate des medizinischen Personals bleibt die Herausforderung groß: weniger die materiellen Ressourcen, als die personellen drohen knapp zu werden. Die Verschiebung der Versorgungsleistung vom elektiven in den Akutbereich, die Schwerpunktsetzung in der Intermediär- und Intensivbetreuung, verschobene Planoperationen, Warten auf ein freies Intensivbett: all das fordert auch uns täglich heraus. Umso wichtiger ist es, stets auch das Erreichte zu sehen, und die Möglichkeiten, die uns dank eines gut aufgestellten Gesundheitssystems gegeben sind.

In Anpassung an die aktuellen Erfordernisse, aber auch aufgrund der in den letzten Monaten gemachten Erfahrungen müssen auch organisatorische Abläufe im Bereich unserer Intensivstationen adaptiert werden.  Neben der Sicherstellung bedarfsorientierter Abläufe müssen wir auch die Ausbildung unserer AssistentInnen auf hohem Niveau sicherstellen.

Mit unserer aktuellen Kapazität von 25 anästhesiologischen und 8 internistischen Intensivbetten werden wir möglicherweise nicht das Auslangen finden: eine gewisse Erweiterung scheint noch machbar, allerdings unter weiterer Beschränkung der operativen Kapazitäten auf das Akutprogramm. Freiwerdende ärztlichen Ressourcen der Anästhesie werden die KollegInnen an den Intensivstationen unterstützen.

Die Kollegiale Führung unseres Hauses, wie auch die Geschäftsführung der Landes-Gesundheitsagentur unterstützen durch die Zurverfügungstellung technischer Ressourcen im Bereich der Intensivmedizin, soweit diese noch lieferbar sind.

Mitte März wurden Prof. Hörmann und ich mit der Koordination aller Intensivstationen in NÖ beauftragt, regelmäßige Telekonferenzen mit Abteilungsleitern wie auch mit der Geschäftsführung sorgen für Transparenz, Informationsfluss und möglichst gleichmäßige Verteilung der Belastung über die Häuser. Darüber hinaus wird auch mit den anderen Bundesländern, insbesondere mit den Koordinatoren für Wien zusammengearbeitet. Vielleicht wird das sinkende Verständnis um die Notwendigkeit mancher Maßnahme die Situation noch aggravieren – umso mehr müssen wir, die wir die Folgen dieser Krankheit täglich sehen, beispielgebend und aufklärend wirken, um die Pandemie letztendlich doch erfolgreich zu bekämpfen.

Ich darf an dieser Stelle, neben meinem aufrichtigen Dank für das bisher durch unser Team Geleistete auch die Hoffnung und Bitte aussprechen, diesen zweifellos nicht leichten Weg der nächsten Monate gemeinsam zu gehen, um die uns anvertraute Bevölkerung so gut als möglich durch diese Krise zu bringen.

H. Trimmel