Corona-Informations-System

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

“Now this is not the end. It is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning.“

Sir Winston Churchill

Dieser Satz, der Churchill zugeschrieben wird, kommt der momentanen Situation sehr nahe. Die Aktivitäten, die Österreich in den letzten Wochen gesetzt hat, haben die Zahl der Infektionen wie auch der an COVID-19 verstorbenen Patienten im europäischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau gehalten – ähnlich wie in Deutschland. Demgegenüber haben Länder mit anderer Strategie (Stichwort „Herdenimmunität“) drei- bis vierfache Mortalitätszahlen aufzuweisen. Die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen einzelnen Ländern sind auch im Internet abgebildet (Daten der Johns Hopkins Universität, der WHO und andere verlässliche Quellen machen dies gut nachvollziehbar, siehe z.B. https://epidemic-stats.com/. Was dies auf lange Sicht bedeutet, liegt derzeit noch im Dunkeln. Ich möchte hier den Rektor der Medizinischen Universität Wien zitieren:

Die nächste Phase der CoV19-Pandemie wird, neben wirtschaftlichen und sozialen Erwägungen, von folgenden medizinischen Prämissen gekennzeichnet sein:

  • CoV19 wird nicht mehr verschwinden.
  • „Normalität“ wird erst wieder nach Verfügbarkeit eines Impfstoffes/einer Therapie hergestellt werden können.
  • Angestrebt wird ein möglichst niedriges Niveau an Neuinfektionen, insbesondere bei älteren und vulnerablen MitbürgerInnen.
  • Angestrebt wird eine vertretbare Belastung der ICU-Kapazität.

Diese Einschätzung teile ich vollinhaltlich. Wir haben in der Zwischenzeit viel über das Virus und mögliche therapeutische Aspekte gelernt bzw. zumindest gelesen. So dürfte eines der Hauptprobleme in einer früh einsetzenden und ausgeprägten Gerinnungsstörung liegen, welche die Mikrozirkulation massiv beeinträchtigt und zu Funktionsstörungen, aber auch irreversiblen Schädigung nahezu aller Organen führen kann. Darüber hinaus wurden organspezifische Veränderungen durch die überschießende Inflammation nicht nur in der Lunge, sondern auch in den parenchymatösen Organen, dem Herz wie auch dem Gehirn beschrieben.

Für die Beatmung konnte gezeigt werden, dass es unterschiedliche Verfahren braucht, die sich an der individuellen Pathophysiologie orientieren müssen: nicht alle Patienten profitieren von einer Bauchlage, und der „optimale PEEP“ kann beträchtlich variieren. Der Einsatz von extrakorporalen Verfahren ist kritisch zu hinterfragen. Für die antivirale Medikation wurden in qualitativ hochwertigen Journalen (durchaus widersprüchliche) Ergebnisse publiziert. Im Moment liegen die Erwartungen offenbar mehr bei  Remdesivir, wieder bei Kaletra, aber auch bei Ivermectin – doch auch Hydrochloroquin ist weiterhin im Einsatz. Zunehmendes Wissen um das Virus lässt auch die Risikogruppen für schwere und fatale Verläufe besser definieren. Zu einer gewissen Hoffnung berechtigt das Anlaufen der ersten 3 Phase-1, und sogar Phase-2 Studien zu SARS CoV2-Impfungen.

Zu all diesen Themen findet Ihr Informationen in der Sektion „Literatur“ auf unserer Website https://cis-ains-wn.at.

In unserem Haus wie auch an unserer Abteilung sind die „Hausaufgaben“ denke ich sehr gut gemacht worden: elektive Versorgungsaufgaben wurden ruhend gestellt, und damit die Akut- und Notfallversorgung der ganzen Region in höchster Qualität aufrechterhalten. Parallel dazu wurde eine effektive Triagestation für alle Patienten, die unser Haus aufsuchen, eingerichtet und interdisziplinär besetzt, die internistische Notaufnahme aktiviert, die Anästhesieambulanz übersiedelt sowie die Intensivkapazität erweitert.

Für all das möchte ich dem gesamten Team – den Ärzten und den Pflegepersonen – meinen herzlichsten Dank aussprechen, ich darf und möchte dies hier aber auch namens der Klinikleitung und des Krisenstabs der LGA tun.

Wie wird es weitergehen ?

Strategie der LGA war und ist, ein Haus pro Region als sogenanntes „COVID-Haus“ zu definieren, um für dieses Erkrankungsbild kompetente und stets verfügbare Versorgung zu gewährleisten. Bei gleichbleibendem Patientenaufkommen – was uns allerdings erst die nächsten zwei bis drei Wochen zeigen werden – könnte nun in den anderen Häusern eine schrittweise Rückkehr zu „neuer“ Normalität erfolgen. Dies wird einer (sinnvollerweise) regional zu führende Diskussion der künftig möglichen Regelversorgung bedürfen, die COVID-19 Problematik uns sicherlich noch länger beschäftigen wird. In diesem Sinne bekommt der Slogan „Gemeinsam bringen wir das hin“ eine ganz neue Dimension.

Es bleibt also spannend und herausfordernd: die Workload in den „COVID-Häusern“, aber ebenso in allen anderen Kliniken unseres Bundeslandes wird auch in den nächsten Monaten mit Sicherheit nicht geringer. Wir werden uns weiter gemeinsam bemühen, für unsere Patienten ein Optimum zu geben.

In diesem Sinne nochmals ein herzliches Danke für das bisherige Engagement!

H. Trimmel